D. Hennings: Raumakustik in der Plusenergie-Schule Hohen Neuendorf

6. Résumé

Raumakustische Lösung von passiver Klimatisierung entkoppelt

Raumakustische Qualität

Mit der raumakustischen Gestaltung im Neubau der Plusenergie-Schule Hohen Neuen­dorf wird ein den Empfehlungen in DIN 18041 entsprechendes Quali­täts­niveau erreicht, wobei zugleich der Konflikt um Flächen zwi­schen der themischen Speicherung und der akustischen Bedämpf­ung ohne gegensei­tige Beeinträchtigung gelöst wird.

Trennung der Flächen-Funktionen

Mit einem ‘puristischen’ Lösungsansatz der kon­sequenten Trennung der akustisch und der ther­misch wirksamen Flächen werden die Funktionen entkoppelt und gegen­seitige Beein­trächtigungen ausgeschlossen. Zugleich schafft dies Voraus­setzungen für ein hohes raum­akustisches Quali­täts­niveau.

Großzügige Verglasung, Fläche für ‘Akustik’ knapp

Wenn wie hier in den Unterrichtsräumen große Tei­le der Wände verglast sind und die Decke der ther­mischen Speicherung vorbehalten ist, wird das An­gebot an für die akustische Be­dämpfung nutz­baren Flächen äußerst knapp.

Hochwirksame Breitband-Absorber erforderlich

Ein hoher raumakustischer Qualitätsstandard kann bei derart wenig verfügbarer Fläche nur mit dem Einsatz hochwirksamer Breitband-Absorber reali­siert werden. Unter der zusätzlichen Beding­ung, daß die Kosten aus knappen Schulbau-Bugets finanzierbar sein müssen, ist das Markt-Angebot an ge­eigneten Absorbern eher schmal, obwohl diese mit einfachen technischen Mitteln her­stell­bar sind.

Entwicklungsbedarf bei der Bedämpfung tiefer Frequenzen

Bei tiefen Frequenzen kann den DIN-Empfehlung­en mit dem hier realisierten Konzept nur knapp entsprochen werden. Da die Breitband-Absorber bei Wandmon­tage maximal etwa 10 cm auftragen sollen, nimmt deren Wirksamkeit unter­halb etwa 250 Hz ab. Wünschenswert ist jedoch, daß die sehr gute Bedämpfung deutlich tiefer reicht.

Ein kostengünstiger Ansatz dafür sind ‘Kantenab­sorber’, die eine gesteigerte Wirkung von Absor­bern in den Raumkanten nutzen. Diese sind je­doch bisher wenig untersucht und es fehlen Mög­lichkeiten ‘maßgeschnei­derte’ Kantenabsorber zu dimensionieren. Hier sind weitere Arbeiten sinn­voll, mit dem Ziel die Planbarkeit von Kantenab­sorbern zu verbessern.

Neben Nachhallzeiten auch andere Qualitätsmaße berücksichtigen

Nachhallzeiten sind zweifellos eine gute Plan­ungs­größe für die raumakustische Qualität, da sie ein­fach zu berechnen und zu messen sind und zudem in ihrer Aussage nahe an der menschlichen Wahr­nehmung der ‘Halligkeit’ liegen. Werden jedoch die Grenzen des technisch Machbaren erreicht, wie bei der hier gegebenen sehr knap­pen Angebot an akustisch nutzbaren Flächen, kann es sehr hilf­reich sein, zusätzlich Maße ein­zusetzen, die direkt die Sprachüber­tragungs­qualität bewerten, wie beispielsweise Schwer­punkt­zeiten.

Es bleibt zu untersuchen, wie weit sich bei einer auf der Übertragungsqualität beruhenden Opti­mierung eine sehr gute raumakustische Qualität mit weniger Fläche für Absorber realisieren läßt und so die ‘thermisch-akustische Flächen-Konkur­renz’ entschärft werden kann.

Auralisation erleichtert in der Planung die Verständigung

Als Nebenprodukt der hier planungsbegleitend ein­gesetzten raumakustischen Simulation können bin­aurale Hörproben zu den simulierten Räumen her­gestellt werden, die über Kopfhörer einen reali­täts­nahen akustischen Eindruck vermitteln. Diese Hörproben wurden in der Planung ein­gesetzt um im Planungsteam die Verständigung über die raum­akustische Qualität zu erleichtern, denn viele Planer verbinden weder mit Nachhall­zeiten noch mit anderen numerischen Qualitäts­maßen eine konkrete Vorstellung.

Da die Simulation und Auralisation für die meisten Bauprojekte zu aufwendig ist, wird angeregt eine öffentliche Datenbank mit Simulations-Ergebnis­sen und zugehörigen auralisierten Hör­proben typi­scher Räume für Unterricht und Kommuni­kation ein­zu­richten.


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copyright: D. Hennings

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2012-01